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Träger und Anbieter von Weiterbildung

In der Schweiz besteht eine breites Spektrum an Weiterbildungsanbietern unterschiedlichster Grösse und Ausrichtung.

Öffentliche Träger
Die Kantone sind für einzelne Weiterbildungsbereiche zuständig, u.a. für die Lehrerfortbildung. In bescheidenem Umfang bieten auch kantonale Mittelschulen Kurse für Erwachsene an. Dasselbe gilt für die meist kantonal geführten Berufsschulen. Es bestehen jedoch grosse Unterschiede zwischen den 26 Kantonen, was das Angebot der Berufsschulen an Weiterbildung für Erwachsene betrifft (vgl. www.sbbk.ch).

Die dritte Kategorie kantonaler Institutionen umfasst die 10 Universitäten (Basel, Bern, Freiburg, Genf, Lausanne, Luzern, Neuenburg, St. Gallen, Tessin, Zürich). Im Lauf der 90-er Jahre haben alle schweizerischen Universitäten Koordinationsstellen für Weiterbildung geschaffen und begonnen öffentlich zugängliche Angebote anzubieten. Der Zugang zu den Weiterbildungsangeboten bleibt allerdings meist auf Personen mit einem Tertiärabschluss beschränkt. www.swissuni.ch

Der Bund engagiert sich bei allen Berufen, die dem Berufsbildungsgesetz unterstellt sind, in der Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte der kantonalen Berufsfachschulen. Ebenfalls vom Bund getragen wird die Weiterbildung an den beiden eidgenössischen Technischen Hochschulen in Zürich (ETH) und Lausanne (EPF). Gestützt auf das nationale Fachhochschulgesetz bieten ausserdem die Fachhochschulen ein breites und weiter wachsendes Spektrum an Weiterbildungsmöglichkeiten an. Ebenfalls in die Zuständigkeit des Bundes fallen Bereiche der höheren Berufsbildung; der Bund regelt die Ausbildungsgänge und die Prüfungen, ist aber nicht selbst Träger der höheren Fachschulen.
Der Umbau des Hochschulwesens im Kontext der Bologna-Reform sowie die Integration der Fachhochschulen und der Pädagogischen Hochschulen ins Hochschulsystem haben dazu geführt, dass ein markanter Aufschwung der Weiterbildung im tertiären Bereich festzustellen ist.

Betriebe
Die Betriebe gehören zu den grössten Trägern von Weiterbildung. Im Unterschied zu privaten Schulen betreiben sie „Weiterbildung im Nebenamt“, das heisst, Bildung ist nicht primäres Ziel, sondern wird – ähnlich wie bei den gemeinnützigen Organisationen, die nicht als Schulen auftreten – in Abhängigkeit von den Zielen der Organisation konzipiert. Im Unterschied zur öffentlichen Bildung und zu den privaten Schulträgern ist die betriebliche Weiterbildung in der Regel nicht öffentlich und sogar innerhalb eines Betriebes bestimmten Gruppen vorbehalten. Es sind vor allem die grösseren Firmen und die öffentliche Verwaltung, welche interne Weiterbildungskurse für ihre Angestellten anbieten.

Privatrechtliche, gewinnorientierte Trägerschaften
Kommerziell betriebene private Institutionen in spezifischen Bereichen haben sich etabliert, so etwa im Zusammenhang mit dem Zweiten Bildungsweg oder hinsichtlich beruflich verwertbarer Fachkenntnisse (Sprachen, Informatik, Kommunikation, Management usw.). Weitere Bereiche sind der Maturitätsabschluss oder das Handelsdiplom für Erwachsene. Viele dieser Schulen sind ausserdem auf dem Gebiet der teilzeitlichen Vorbereitung auf Berufsdiplome, Fachprüfungen oder Höhere Fachprüfungen aktiv.

Die Grösse dieser Institutionen variiert von Kleinstinstituten bis hin zu Unternehmen mit mehreren Zweigstellen. Teilweise können ihre Angebote subventioniert werden, so beispielsweise wenn sie Angebotslücken für benachteiligte Bevölkerungsgruppen schliessen oder anerkannte Kurse für Erwerbslose anbieten.

Zu den grössten Anbietern in diesem Trägerschaftstypus gehört die Bildungsgruppe Kalaidos. Diese vereinigt zurzeit 25 Bildungsinstitute von der Volksschul- und Gymnasialstufe über die berufliche Aus- und Weiterbildung bis zur Fachhochschul- und Universitätsstufe. Zusammengenommen beschäftigen die Institute dieser Bildungsgruppe 1'800 pädagogische Mitarbeitende.
www.kalaidos.ch

Privatrechtliche, nicht gewinnorientierte Trägerschaften
In diese Kategorie gehören zum einen gemeinnützige Organisationen, zum anderen nicht gewinnorienterte Weiterbildungsinstitutionen, die sich aus ehrenamtlicher Tätigkeit und teilweise aus staatlichen Subventionen, privaten Stiftungen  und Teilnehmerbeiträgen finanzieren.

Zu unterscheiden sind Weiterbildungsträger, die sich als schulische Institutionen explizit der Weiterbildung verschrieben haben, sowie Träger, die neben einer primär sozial ausgerichteten Tätigkeit auch Weiterbildung „im Nebenamt“ veranstalten.

Die Volkshochschulen bilden mit rund 500 Kursorten das dichteste, beinahe flächendeckende Netz in der Schweiz. Ihre Tätigkeit beruht zu einem grossen Teil auf ehrenamtlicher Arbeit. In unterschiedlichem Ausmass erhalten die Volkshochschulen finanzielle Unterstützung durch Kantone und Gemeinden.
www.up-vhs.ch

Neben den gemeinnützigen Organisationen hat sich in der Schweiz mit den Migros-Klubschulen ein Träger mit gemeinnütziger Ausrichtung etabliert, der Teil einer wirtschaftlichen Unternehmung (Detailhandelskette) ist. Die Kurse werden öffentlich ausgeschrieben und vom Konzern über das „Kulturprozent“ finanziell unterstützt. Alle Genossenschaften der Handelskette leisten einen jährlichen Beitrag von 1% ihres Umsatzes an das „Kulturprozent“, wovon die eine Hälfte für die Klubschulen und ihre Koordinationsstelle verwendet, die andere für die Unterstützung von Projekten in den Bereichen Kultur, Gesellschaft und Bildung eingesetzt wird. Insgesamt kommen auf diese Weise jährlich rund 110 Millionen Schweizer Franken (rund 70 Mio €) für das Kulturprozent zusammen.

Die genossenschaftlich organisierten Migros-Klubschulen sind heute der grösste Anbieter non-formaler Weiterbildung auf dem Markt (ca. 600'000 Teilnehmende pro Jahr). Sie sind in allen Landesteilen präsent und bieten eine breite Palette an Kursen an, deren Kursgebühren meist auch für Personen mit bescheidenen finanziellen Ressourcen erschwinglich sind. Schwerpunkte der Weiterbildungsangebote sind Sprachen, Informatik, kulturelle Freizeitkurse, Management und Wirtschaft sowie Ausbildung von Erwachsenenbildner/inne/n.
www.klubschule.ch

Zu den grössten Anbietern gehören ausserdem die kaufmännsichen Berufsschulen. Diese bieten meist berufsorientierte Weiterbildung an und weisen eine starke Präsenz im Bereich der höheren Berufsbildung auf.
www.edupool.ch

Elternbildungsorganisationen unterstützen Mütter und Väter in der Erziehungsarbeit und leisten damit zugleich einen präventiven Beitrag im Sozial- und Gesundheitswesen. Angeboten wird Elternbildung in der Schweiz von ca. 120 Organisationen, die grösstenteils ehrenamtlich arbeiten. www.elternbildung.ch

Der grössere Teil der nicht gewinnorientierten Organisationen, welche Weiterbildung anbieten, verfolgt Hauptziele, die nicht im engeren Sinn zur Bildung gehören: Sozialhilfe, Berufs- und Fachvertretung, politische Partizipation, Vertretung von Arbeitnehmer/inne/n und Angestellten, Frauenrechte, Umweltschutz usw.

Politische, sozialpartnerschaftliche, konfessionelle oder weltanschauliche Trägerschaften
Die Weiterbildungsaktivitäten von konfessionellen Vereinigungen und sozialen Bewegungen – wie der Arbeiterbewegung – sind vor allem in historischer Hinsicht bedeutsam.

Durch Weiterbildung wollten die Organisationen und Bewegungen ihren Nachwuchs sicherstellen und zugleich Mitglieder für diverse Aufgaben schulen. Diese institutionalisierten Weiterbildungsangebote spielen auch heute eine Rolle. Sie haben sich inzwischen jedoch stärker nach aussen geöffnet.
Gewerkschaftliche Bildung ist ein wichtiger und eigenständiger Bereich. Sie charakterisiert sich durch die Ausrichtung auf spezifische Zielgruppen, Bildungsinhalte und Bildungs¬ziele. Gewerkschaftliche Bildung versteht sich als politische, fachliche und kulturelle Bildung im umfassenden Sinn, ihr Ziel ist die Förderung individueller und kollektiver Entwicklungsprozesse.

Zu den wichtigsten schweizweit tätigen Trägern dieses Typs gehören das Bildungsinstitut Movendo, das vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund geführt wird, das Schweizerische Arbeiterhilfswerk (SAH) und das vom Arbeitnehmerdachverband Travail.Suisse geführte Institut Arc. Die meisten Kurse und Seminare sind öffentlich und betreffen Fragen rund um die Arbeitswelt. Die thematischen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Wirtschaft, Politik, Arbeits- und Sozialversicherungsrecht, Kommunikation sowie Arbeits- und Lebensgestaltung.

Ein weiterer grosser Anbieter ist die Stiftung ECAP, die in der ganzen Schweiz tätig ist und deren Bildungsangebote sich vor allem an Migrant/inn/en und an wenig qualifizierte Arbeitnehmer/innen richten.

Weitere Institutionen dieser Kategorie sind Organisationen, die in Zusammenarbeit mit den Landeskirchen und anderen religiösen oder weltanschaulichen Organisationen Weiterbildung anbieten. Die meisten dieser Organisationen haben sich in den letzten Jahren oder Jahrzehnten einem breiten Publikum geöffnet und bieten auch Kurse und Seminare an, die nicht im engeren Sinne weltanschaulich gebunden sind. Sie arbeiten jedoch unter schwierigen Bedingungen; so mussten fast drei Viertel der Bildungszentren der evangelischen Kirchen ihren Betrieb inzwischen einstellen.

Selbstständig erwerbende Trainer/innen
Neben den institutionellen Trägern vermitteln auch Einzelpersonen aus unterschiedlichsten Fachbereichen als Kursleitende spezifische Kenntnisse wissenschaftlicher, handwerklicher, sportlicher, künstlerischer und welt¬anschau¬licher Art. Dabei kommen vielfältige Angebotsformen zum Einsatz wie Kurse, Diavorträge, Stadtführungen, Referate, Workshops, Lesegruppen und Ähnliches. Diese Anbieter decken fast 15 % des Marktes ab und bilden somit einen wichtigen Wirtschaftszweig.

Weiterbildung in selbstorganisierten Gruppen
Zahlreiche Personen und Vereinigungen, die sich ad-hoc formieren oder über eine bestimmte Zeitspanne bestehen, integrieren Weiterbildung als Teil ihrer Aktivität im Selbsthilfebereich oder im Rahmen anderer Ziele. Dazu gehören Gruppen in den Bereichen Gesundheit, Sucht, Erziehung, interkultureller Austausch, Minderheiten, Soziokultur und gesellschaftspolitische Bildungsarbeit.